Hundert Jahre Mode

Umfangreiche Ausstellung in Sinsheim und Speyer Sinsheim


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Ist die Mode ein Spiel oder ein Spiegel Ihrer Zeit ? Wer möchte das schlüssig beantworten. Jedenfalls können die Besucher des Auto + Technik Museums Sinsheim und des Technik Museums Speyer anhand von 200 Modepuppen dem Zeitgeschmack der vergangenen 100 Jahre nachspüren. Frau Luise Layher, Mitglied im Förderverein der Museen, stellt ihre umfangrelche Sammlung in beiden Museen aus.

Als Mitbegründerin des Auto + Technik Museums Sinsheim (ATM) im Jahre 1981 war es Luise Layher von Anfang an ein Anliegen, dass auch Frauen ihren SpaIß in einem technischen Museum haben. Selbst davon betroffen, dass sie beim Museumsrundgang nach kurzer Zeit von der Technik der ,Männerspielzeuge" gelangweilt war, hatte sie die Idee, die Frauen anhand von Mode und Accessoires kombiniert mit den Fahrzeugen durchs Museum zu locken. Und dadurch so ganz nebenbei auch das Verständnis für die schönen Autos zu wecken.

So entstand der Grundstock ihrer Modesammlung. Sie suchte anfangs hauptsächlich besonders auffallende Tages- und Abendmode der wohlhabenderen Leute, da sich ja damals nur diese Gesellschaftsschicht auch solche herrlichen Autos leisten konnten. Heute bilden die Schaufensterpuppen, liebevoll in Gruppen mit den zeitgenössichen Automobilen, harmonische Ensembles.

Luise Layhers Sammlung ist eine Relse durch hundert Jahre Modegeschichte. Sie beginnt mit den ausladenen langen Kleidern Ende des vergangenen Jahrhunderts, als Berta Benz eines der ersten Autos fuhr. "The roaring Twenties" mit den oft reich mit perlenbestickten kurzen Kleidchen und extravaganten glitzernden Seidenschuhen, Federboas und herrlichen Fächern, als Zelchen einer Zeit der überschäumenden Lebensfreude, wie es in unzähligen Filmen des Stummfilms und des späteren Tonfilms gezeigt wurde. Die 30er Jahre mit ihrer bestechenden Eleganz in Kleidung und Automodellen.

Die 50er Jahre Amerika mit Petticoats, Glitzer und Glamour, Stöckelschuhe bis zu Elvis, dargestellt zusammen mit der bemerkenswerten Sammlung von US-Straßenkreuzern der 50er Jahre im ATM. Da Deutschland durch die zwei Kriege ausgebombt und,,modisch ausgeblutet" war, ging Luise Layher auf ihren zahlreichen Reisen ins Ausland auf die Suche nach ihren Kostbarkeiten. Jahrhundertwenderoben vom Flohmarkt aus Paris - eine Kollektion von herrlichen perlenbesetzten 20er Jahre-Raritäten aus London - 50er Jahre Bademoden von Auktionen in USA.

Ganz beachtlich ist ihre Schuhsammlung der letzten 100 Jahre mit über 200 Paar Schuhen aller Moderichtungen, Auch die Herrenmode kam nicht zu kurz mit Frack, Zylinder, Schirm, Charme und Melone oder jewells angepaßt dem jeweiligen Fahrzeug, wie Kutscher, Chauffeur oder Dandy. lbre Grundidee war, der Besucherin etwas nicht alltägliches an Mode zu bieten, ausgeflippte Sachen, die in Erinnerung bleiben, Dinge von denen sie Freundinnen und Nachbarinnen erzählt. Luise Layher liebt nicht nur das Sammeln schöner Dinge.

Engagiert will sie modische und soziale Zusammenhänge darstellen. Zeitgeschichte zeigt sie auch an Nachkriegsfahrzeugen mit "Trümmerfrauen" in ihren typischen Kleiderschürzen, Kopftüchem und verflickten Strümpfen, sowie der typischen Kleidung der Bauern und Waldarbeiter mit Traktoren, Holzsägen, Milchkannen und Weinbergrätschen. Hundert Jahre Mode sind auch hundert Jahre Zeitgeschichte. Frau Layher zeigt ihre Sammlung mit wechselnden Ausstellungsstücken auf Puppen dekoriert und in Vitrinen in den beiden Museen Sinsheim und Speyer.

foto: Preussens Glanz und Gloria, dazu die Mode von 100 Jahren in liebevoll gestalteten Vitrinen.