im rahmen
der MAK NITE präsentiert LENA KVADRAT, designerin des russischen
labels ART POINT, ihre beiden im letzten jahr bei der MOSCOW FASHION
WEEK gezeigten kollektionen nun erstmals in wien einem breiten publikum.
... ästhetik
des kinos.
auf der leinwand erscheint in großaufnahme das bild einer hand,
die auf einer weißgetünchten glasscheibe die [schrift]zeichen
von konsonanten schreibt. die finger löschen das geschriebene,
und der betrachter erkennt, dass hinter der scheibe jemand versucht
zu sprechen, das ausgesprochene aber dringt nicht zu ihm vor, es wird
von der gläsernen barriere aufgehalten.
die laute
unserer sprache bestehen aus konsonanten und vokalen. die erstgenannten
stoßen bei ihrer artikulation auf widerstand von seiten der sprechwerkzeuge
und werden mit hilfe von "lärm" gebildet, die zweitgenannten
hingegen entstehen gewissermaßen "geräusch- und widerstandslos".
das thema der konsonanten ist sowohl auf der visuellen ebene - der kleidung
[ausgeführt in siebdrucktechnik] - als auch auf der audioebene
präsent [als rohmaterial bzw. konstruktionsprinzip des soundtracks].
die reduktion der lautreihe auf "geräusche" [explosiva/verschlusslaute,
frikativa/reibelaute] steht für den verlust von kommunikation:
maschinengeräusche, monotonie [im soundtrack das entstehen von
"rhythmus" durch die wiederholung von ein und denselben samples].
die kollektion verweist auf situationen, konkret die nachkriegszeit,
in denen das gesellschaftliche klima von gegenseitiger entfremdung geprägt
ist. der zustand der differenz wird unterstrichen durch eine "ornamentik",
wie sie zur kennzeichnung militärischer ränge etc. zum einsatz
kommt. anstelle der klassifizierungsabzeichen, armbinden, brustaufnäher,
schulterstücke und orden stehen jedoch ebenfalls konsonanten.
der erste
auftritt zeugt von der suche nach kontakt: das bild eines minenentschärfers
beim einsatz - symbolisch transformiert: die darstellerin sucht auf
der bühne mit einem richtmikrofon nach geräuschen. der raum
der sprache wird abgetastet, entschärft, dekodiert.
am ende sehen wir auf der leinwand lippen, die das wort "ja"
aussprechen, es ist das erscheinen des ersten vokals. die klanglandschaft
verändert sich: die abrupten laute gehen in das "harmonische"
fragment eines symphonischen werkes über. das gleichgewicht zwischen
mit- und selbstlauten ist [vorübergehend] wieder hergestellt.
die kleidung
stellt in diesem kontext ein modul dar: einerseits ist sie absolut funktional
und entspricht formal den allgemeinenen entwicklungstendenzen der mode,
andererseits dient sie - eingebettet in den gegebenen sinnzusammenhang
- als zeichensystem, das es ermöglicht, das persönlichkeitsbild
jedes einzelnen teilnehmers [und in folge trägers] in bestimmter
weise zu vervollständigen und zu erweitern. die bewegungssprache
der performer vereint dabei in sich elemente des zeitgenössischen
tanzes mit den alltäglichen handlungsabläufen des urbanen
menschen.