MOZART
Für die modische Neuinszenierung von Mozart und Rokoko ist für die drei Finalisten Tatiana Pogrebnyak, Kirsten Hiller und Paz Soto Salinas die Auseinandersetzung mit der Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts der zentrale erste Schritt gewesen:
Die in Israel lebende Tatiana Pogrebnyak hat dem Themenkreis Mozart/Rokoko mit ihren zart-blumigen Kreationen einen romantischen Touch verliehen. Eine intensive Recherche bekannter Rokoko-Gemälde wie z. B. Boucher, Fragonard, Lancret, der Architektur und Kleidung dieser Periode sind den Entwürfen vorangegangen. Tatiana Pogrebnyak hat in diesen Bildern Blumenmotive als kompositorisches Mittel sowie als modisches Attribut gefunden:
“Numerous paintings of Boucher, Fragonard, Lancret, Drouais, Marie Antoinette portraits of Louise-Elisabeth Vigee-Lebrun include flower motives as a composition part, as well as a fashion attribute. Madame de Pompadour is frequently portrayed with live flowers pinned to her toilets. Different floral motives majored in textile prints, embroideries, hairstyle accessories of the period… also many flower elements appear in unity with “rocaille” architectural decorations. All these gave me a strong feeling of romantic, playful blossom. Choosing rococo elements for my collection, I decided to make a tea rose in flower combination as a major motive of my designs. My intention was also to interpret the “flowerish” atmosphere of Rococo women’s toilet into up to date fashion.” Tatiana Pogrebnyak
Für die Entwürfe der Austro-Amerikanerin Kirsten Hiller hatte Milos Formans Film “Amadeus” Vorbildwirkung:
„Milos Formans Film “Amadeus” war für mich ein prägendes Erlebnis. Jene Kostüme wirken nicht so opulent wie in all den zahlreichen zu vergessenen Kostümschnulzen, bei denen es stets den Anschein hat als wären Fürsten und Baronessen eben gerade ins frisch gemachte Kostüm gesprungen. In Formans Film wirken Mozarts Kleidungsstücke getragen oder benutzt zugleich, aber stimmig und gut anzusehen, eben urban im damaligen Sinne: elegant aber nicht übertrieben gepflegt, sexy aber nicht aufgedonnert, verspielt und auf keinen Fall steif.“ Kirsten Hiller
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Credit:
Kirsten Hiller/Triumph International Fashion Award 2006
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Zum Stil und der Lebensart Mozarts befragt, und welche Anregungen sie für unseren heutigen Lifestyle liefern, streicht Kirsten Hiller seine beinahe provokante Freude an der Arbeit hervor:
„Die Freude an seiner Arbeit war Mozarts Lebensstil, war individuell für seine Zeit und diese Haltung mag für einige sehr provozierend gewirkt haben. Mit einer ähnlichen Einstellung von “scheinbar unbeabsichtigter Provokation” wird einem mit Sicherheit ein nicht unbeträchtliches Maß an Aufmerksamkeit auch in unserer Zeit entgegengebracht.“ Kirsten Hiller
Für Paz Soto Salinas ist Lebenslust in allen Lebenslagen das Faszinierendste an Mozart. Sein modischer Stil wird von ihr als aristokratisch und extravagant beschrieben. Die wichtigste Anregung für unseren heutigen Lebensstil findet Paz Soto Salinas in der erfrischenden Verspieltheit, in der er sich in grandioser Weise über sich selbst erhoben hat.
Tatiana Pogrebnyak’s Assoziation zu Mozart im Kontext des Triumph International Fashion Award war vielmehr eine spirituelle als eine visuelle. Seine barocken Musik-Kreationen, die verspielte Atmosphäre, die dadurch erzeugt wird wie auch die Vorstellung einer berühmten Persönlichkeit seiner Zeit und welches Kleid Madame de Pompadour zu einem Date mit ihm getragen hätte, haben Pogrebnyak inspiriert:
„Due to the Triumph Fashion Award 2006 context, Mozart as a person was associated to me as a leading society personality, an artist of his field, less as a visual inspiration, but more as spiritual one. Mozart’s creations, especially those, inspired by Baroque musicians, reveal the Rococo playful atmosphere, on the other hand Mozart as a leading personality inspired me to think what Madame de Pompadour would chose to wear for her date.” Tatiana Pogrebnyak
DESIGN
Für den heutigen Modedesigner ist die Recherche über das Internet wie auch die Informationssuche in allen anderen Medien wichtiger Bestandteil der Arbeit – auch beim Auffinden neuer Möglichkeiten sein Talent zu beweisen. Herausforderungen im designtechnischen Bereich wie der Integration von Lingerie als sichtbaren Teil von Oberbekleidung wird positiv für die eigene Kreativität und technische Finesse angesehen:
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Credit:
Kirsten Hiller/Triumph International Fashion Award 2006
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So hat auch Paz Soto Salinas aus den Medien die Information zum Triumph Fashion Award erhalten:
“I always try to stay informed on fashion either via magazines or via internet. It really caught my interest, when I read about the Triumph Fashion Award last year, but it was already too late to participate. Gladly I could make it this time, especially since I enjoy this year’s theme very much. As I am only returning to fashion design I consider this an interesting experience and a great opportunity.” Paz Soto Salinas
Kirsten Hiller, was hat Sie motiviert, an dem Triumph International Fashion Award teilzunehmen?
„Meine Freundin Ann-Christine Wriedt aus der ESMOD hat mich auf diesen Contest aufmerksam gemacht. Schnell war ich von der Aufgabenstellung begeistert. Sexy Unterwäsche mit Oberkleidung zu vereinigen und mit den Themen Rock und Mozart zu kombinieren war für mich eine attraktive Herausforderung. Außerdem handelte es sich bei meiner Abschlusskollektion ebenfalls um integrierte Lingerie. Hier aber in Kombination mit Einflüssen aus der Discoära der 70er Jahre und mit Strömungen aus dem Cowboy- und Indianerleben – einer mir bekannten Welt. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass in der näheren Zukunft diese Art der Zusammenstellung von den unterschiedlichsten Designern forciert und auch allgemeine Zustimmung bei den Kunden erfahren wird.“ Kirsten Hiller
Dieser Award ist nicht nur thematisch sondern auch designtechnisch eine Herausforderung. Tatiana Pogrebnyak hat bei der Lösung der Bedingung „luxuriöse Lingerie in Oberbekleidung zu integrieren“ zunächst an das Lingerie-Styling von Mode in Magazinen gedacht. In einem zweiten Schritt näherte sie sich der Aufgabenstellung über das Konzept der Integration von Lingerie in Oberbekleidung wobei die Unterwäsche den ästhetischen Rahmen für die Entwürfe vorgibt:
“My first thought for “lingerie as integral part of clothes” was, - visible part of clothes, still a part and not a solo fashion piece. It is nice to see fashion magazines with lingerie styling for an outerwear, and I like it. But not many would be able to show the street their underwear as it is. So the next thought was how I am going to combine the lingerie, which is visible, but already not underwear. I decided for lingerie as a "built-in" part of the garment to be my concept. The lingerie is as integrated into the garment silhouette, as it was designed this way from the beginning. The design itself is inspired by the underwear mood. Fabrics and materials should be matched exactly to the bra, so that it would merge and turn into a garment part. Panties take their part to complete the upper layer design and create a total look.“ Tatiana Pogrebnyak
Paz Soto Salinas hat in ihrem Designkonzept Lingerie und Oberbekleidung als Einheit gedacht, so als würden beide zur gleichen Zeit entstanden sein:
“The basic concept was trying to design something that not only would reveal the lingerie, but looked like an entity, like lingerie and clothes were designed at the same time, belonging together. Although it turned out to be more difficult than I thought, I believe to have managed pretty well.” Paz Soto Salinas |
MODE
Designer denken bei ihrer Arbeit meist zwei Saisonen im Voraus. Wir haben uns dafür interessiert, wie die Finalisten des Triumph International Fashion Award die Zukunft der Mode sehen, und welche Unterschiede es für sie zwischen der Mode des Rokoko und der heutigen Gesellschaft gibt:
Tatiana Pogrebnyak streicht vier große Unterschiede im Umgang mit Mode durch unsere heutige Gesellschaft im Vergleich zu Mozart’s Zeit heraus: die Modeverbreitung, der Zweck der Mode, das Design bezüglich „Volumen“ und den immer schneller werdenden Mode-Rhythmus.

Bildcredit:
Tatiana Pogrebnyak/Triumph International Fashion Award 2006
- Die Modeverbreitung war im 18. Jahrhundert noch durch soziale Klassen bestimmt, wobei die neueste Mode fast ausschließlich am Hof getragen wurde. In unserer heutigen Gesellschaft ist die Modeverbreitung eher durch gesellschaftliche Gruppierungen zu beobachten und überwindet dabei die sozialen Klassen.
- Mode zu tragen war zu Zeiten des Rokoko am königlichen Hof zum reinen Zeitvertreib mit Amüsement, Flirts und Liebesaffären gedacht. Heute ist die Mode wesentlich differenzierter: Tageskleidung, Abendkleidung, Active Wear, Leisure Wear. Der Träger der Kleidung entscheidet individuell, ob die Kleidung verführerisch wirkt oder nicht.
- Als 3. Unterschied zur Mode zu Mozart’s Zeiten nennt Tatiana Pogrebnyak das geringere Volumen der Kleidung – mit einer Ausnahme: der Haute Couture.
- Der immer schneller werdende Moderhythmus unserer Tage und die Differenziertheit der einzelnen Bekleidungsteile führt Pogrebnyak als 4. wichtiges Unterscheidungsmerkmal an.
“The greatest difference between nowadays fashion and Mozart’s time fashion refers to its extension, purpose, volumes and its interchangeability. In the 18th century fashion was available to a very limited social class, mostly, to aristocratic society and rich merchants. The masses were wearing “previous fashion” or some basic clothes, suitable for hard and dirty work. So called “latest fashion” was spread at the court and hardly reached distant areas. Even province aristocracy was wearing old fashioned toilets. The purpose of Rococo fashion might be understood through wasteful lifestyle of the time, devoted to pleasures and amusements, flirt and love affairs. May be “Les Liaisons dangereuses” by Pierre Choderlos de Laclos reveal best the court atmosphere. Women, dressed to kill, seductive and provocative, wearing deep décolleté dresses with satin bows and ribbons, decorating their toilets with lace and flowers, doing everything to attract male attention. Therefore through the race of embellishment, garments and hairstyle reached enormous dimensions, which limited any kind of activity. In comparison to Rococo, modern fashion is widely spread almost among all social classes. It differs from one society group to another, from region to region, but still it might be called fashion, represented by specific silhouette, shape, fabric, details, colour palette, etc. Modern fashion purpose goes into different directions: daywear, eveningwear, active wear, leisure wear and many others. Looking seductive or not depends on the wearer. Fashion volumes in comparison with Rococo are brought to minimum, except for haute couture fashion. An interesting point to mention is super fast fashion interchangeability in our days, changing every season, and providing the potential client with numerous different fashion pieces, while the Rococo fashion period lasted for several decades and “new fashions” brought only slight changes to the silhouette, being different in the amount of decorations.” Tatiana Pogrebnyak
Paz Soto Salinas sieht ein Anwachsen der Bedeutung von Mode für unsere Gesellschaft, das mit der Produktion ständig neuer Medienprodukte im Lifestyle-Bereich einhergeht und durch eine schnell anwachsende neue Konsumentenschicht gefördert wird: den Mann.
  
Bildcredit:
Paz Soto Salinas/Triumph International Fashion Award 2006
“Fashion already is more important as ever and it will have even more influence in the future. It’s already impossible to sell a product without the right design and marketing strategy, no matter how good it is. Lifestyle or fashion magazines and TV programs will pop up from everywhere. They already are floating the market. Men, as consumers, will gain more and more importance.” Paz Soto Salinas
Für Kirsten Hiller liegt der große Trend der Zukunft in der eigenkompositorischen Kraft des Trägers:
  
Bildcredit:
Kirsten Hiller/Triumph International Fashion Award 2006
„Im Vergleich zu den neunziger Jahren, die modisch ja ziemlich einfallslos waren, spürt man heutzutage, dass der Trend Richtung Eigenkompositionen geht und zu mehr Liebe zu individuellen Details. Jeder wird sein eigener Held, oder ist es schon längst. Eine Strömung die bestimmt bis in die nähere Zukunft anhalten wird.“ Kirsten Hiller |