PITOUR - Maria Oberfrank 1996
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Der Name PITOUR wurde gewählt nach dem Inhaber des Geschäftslokals in der Margartenstraße 22, 1040 Wien, wo Maria Oberfrank nun schon seit vier Jahren ihre Modelle anbietet.
Zunächst betreute sie die Boutique gemeinsam mit Jutta Pregenzer, anschließend arbeitete sie gemeinsam mit Susanne Bisovsky. Seit einem Jahr führt sie das Geschäft alleine und bietet neben eigenen Kollektionen Modelle ihrer früheren Partnerin Bisovsky an.
Maria Oberfrank, geboren 1969, absolvierte zunächst die Ausbildung zur Mode und Bekleidungstechnikerin in Wr. Neustadt (83-88) und studierte anschließend in der Meisterklasse für Mode an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien:
- 1988-89 J. C. de Castelbajac
- 1989-91 Vivienne Westwood
- 1991-93 Marc Bohan
- 1993-95 Helmut Lang
Ihr Studium beendete Oberfrank mit einer Diplomarbeit zum Thema „Verbindungen“, umgesetzt in schwarzen kleinen Abendkleidern aus Satin unter Betreuung von Helmut Lang. Präsentiert wurden die Modelle auf Gipsbüsten und mittels einer Fotomappe mit computertechnisch verfremdeten Abbildungen:
„Die Verfremdung des Fotos durch Computergraphik bewirkt, daß sich der Betrachter mit diesen Modefotos in neuer Darstellung intensiver auseinandersetzt.“
Maria Oberfrank produziert ausschließlich im Bereich Damenoberbekleidung.
„Für Herren zu entwerfen ist schwierig. Meistens haben Männer keine konkreten Vorstellungen von Mode und es gibt auch nur wenige, die ausgefallene Mode suchen.“
Ihre Linie beschreibt sie selbst als
„....teilweise klassisch, sehr schlicht mit einigen Akzenten. Die Schnittführung ist wichtig, um Formen und Linien herauszuarbeiten. Alles in allem entwerfe ich tragbare Tagesmode für junge Leute, die nicht gerne von der Stange kaufen.“
Der kreative Prozeß zielt im Gegensatz zur üblichen Mechanik der Modebranche nicht auf die Erstellung von Kollektionen pro Saison, sondern Maria Oberfrank produziert ständig neue Bekleidungsteile. Damit kann sie auf den Modewandel eingehen und ihren Kunden laufend neue Modelle, die als Einzelstücke produziert werden, präsentieren.
Zumeist sind die Modelle von der ausgebildeten Bekleidungstechnikerin selber gefertigt. Das ist für Maria Oberfrank ein wichtiger Teil des Prozesses:
„Hier bekomme ich neue Ideen. Das geht am Blatt Papier nicht so gut wie an der Puppe.“
Die 27-jährige hat ihre Arbeit bereits mehrmals vor großem Publikum präsentiert:
- 1992-93 Vertrieb der Kollektion unter dem Namen „PITOUR“ in Zusammenarbeit mit der TUREK Workshop Company
- 1993 Modeschau im Palais Liechtenstein
93/94 Modeschau in Florenz
- 1996 Modeschau „PRO FASHION“ in der Shopping City Süd, veranstaltet vom Österreichischen Modesekretariat
- 1996 Modeschau im Volksgarten Wien gemeinsam mit Susanne Bisovsky und dem brasilianischen Designer Guilherme Pires da Mata
Für nächstes Jahr ist eine österreichweite Vertriebsoffensive geplant.
Maria Oberfranks Wunsch an österreichische Institutionen ist, wieder eine große Modeschau zu veranstalten, in der sich heimische Designer präsentieren können.
Was fasziniert Sie an der Modebranche?
„Die Kurzlebigkeit - daß es immer wieder etwas Neues gibt. Es ist dieses nicht festhalten an irgendwelchen Vorschriften mit der Möglichkeit permanent etwas komplett anderes machen zu können.“
Abschaffen würde sie nichts:
„Es soll jeder die Möglichkeit haben, zu machen was er will. Was derzeit passiert, finde ich sehr gut. Es gibt immer mehr Möglichkeiten Design zu verbinden - in der Werbung, Film, usw. Und es spielt in diesem Zusammenhang eine immer stärkere Rolle, wie sich die Leute anziehen. Heute ist es möglich, auch verrückte Sachen zu präsentieren. Das Verrückte wird zusehends normaler, denn die Leute wollen auffallen.“
Daß sie heute Mode macht, hat sie eigentlich nur ihrer Mutter und Großmutter zu verdanken.
„Der Mode-Funke ist in der Zeit übergesprungen, als mir meine Oma in den 70er Jahren schreckliche Kindersachen genäht hat, in denen ich mich nicht sehr wohl gefühlt habe. Wenn man in die Schule kommt und die sichtbar selbstgenähten Sachen von der Mama trägt, ist das schon sehr unangenehm.“
Schon als Kind hat sie gerne gezeichnet. Die Ausbildung als Mode/Bekleidungstechnikerin verhalf ihr die Ideen rein technisch in Kleidung umzusetzen.
„An sich hat mir die Schule bei der Entwicklung meiner Kreativität nicht sehr geholfen. Die Lehrer hatten ihre Standards, von denen man nicht abweichen durfte. Es gab kaum Freiraum für eigene Kreativität.“
Nach welchen Kriterien wählen Sie persönlich die Kleidung aus?
„Die Bequemlichkeit ist ausschlaggebend. Wenn ich den ganzen Tag unterwegs bin, muß die Kleidung bequem sein. Für spezielle Anlässe trage ich schon einmal ausgefallene und weniger praktische Kleidung.“
Die Lieblingsfarbe ist je nach Saison unterschiedlich. Derzeit bevorzugt Oberfrank dunkle schwere, wie sie es nennt „ typisch österreichische, melancholische Farben in Richtung Makart“.
Derzeitiges Lieblingsmaterial sind alle Formen von Samt.
„Aber ich brauche Abwechslung in Materialien und Farbe.“
Der britische Designer Alexander McQueen, neuer Chef bei Givenchy, ist gegenwärtig der Favorit von Oberfrank.
„Es werden sehr viele schockierende Modelle von ihm präsentiert: Zigarettenstummel auf Bustiers, zerrissene Kleider, schrille Kombinationen, die teilweise absolut untragbar sind. Was mich an ihm fasziniert ist einfach die Provokation, die dahinter steckt. Aber es ist nicht nur Übertreibung, sondern er präsentiert eine komplett neue Auffassung von Mode, die sich in Kombinationen wie Papier und Einkaufstaschen zu Kleidungsstück verarbeitet manifestiert. Er ist eine Sensation.“
Wenn Oberfrank nicht im Bereich Mode tätig wäre, würde sie auf jeden Fall im Bereich „Graphik“ arbeiten wollen. Am liebsten Werbegraphik.
In Maria Oberfranks Mode-Kristallkugel formen sich Bilder von Gewändern in neuer Stoffülle.
„Erlaubt ist was gefällt, aber es wird in Zukunft mehr Stoffvolumen geben. Hautenge kleine Kostüme, Hosen, bauchfreie T-Shirts sind schon bald out.“
Die Chance der österreichischen Textilwirtschaft sieht sie vor allem in der Ankurbelung des Kleiderbewußtseins der Endverbraucher. Erreicht kann dies durch verstärkte Aktionen in Richtung Modeschau-Veranstaltungen werden.
„Damit kann dem Konsumenten die neue Mode nähergebracht werden.“
Die Funktion der Mode ist vor allem darin begründet, daß der Mensch seine eigene Identität durch Kleidung ausdrückt.
„Aber Mode wird auch dazu benützt, um sich selbst etwas zu gönnen. Ein schönes Kleid bringt eine gewisse Befriedigung. Es sollte viel mehr Phantasie geben im Styling der Leute. Leider versteht es nur eine kleine Schicht, sich gut zu stylen. Die meisten gehen zum Diskonter und kaufen sich etwas von der Stange.“
Was halten Sie vom FashioNavigator?
„Eine kluge Idee, etwas komplett Neues in die Tat umzusetzen. Internet ist derzeit das interessanteste Medium. Man kann in kürzester Zeit neue Inhalte einbringen und jederzeit wechseln. Ich bin begeistert vom Internet!“